Stufenklage und Prozessfinanzierung: Wie Spieler Verluste aus Online-Casinos und Sportwetten zurückfordern können

Spieler, die über längere Zeit bei nicht in Deutschland lizenzierten Online-Casino- oder Sportwettenanbietern Geld verloren haben, stehen häufig vor einem praktischen Hindernis: Es fehlen die vollständigen Daten, um den Schaden exakt zu beziffern. Kontoauszüge zeigen zwar die Einzahlungen, geben jedoch keinen vollständigen Einblick in die tatsächlichen Vorgänge auf dem Spielerkonto. Hier setzt die sogenannte Stufenklage an. Sie ermöglicht es, Anbieter zur Herausgabe von Transaktionslisten und Spielhistorien zu verpflichten und damit die Grundlage für eine spätere Rückforderung zu schaffen. Durch die Unterstützung eines Prozessfinanzierers können betroffene Spieler diesen Weg zudem beschreiten, ohne ein eigenes finanzielles Risiko eingehen zu müssen.

Stufenklage und Prozessfinanzierung: Wie Spieler Verluste aus Online-Casinos und Sportwetten zurückfordern können

In der Praxis besteht das zentrale Problem häufig darin, dass für eine erfolgreiche Rückforderung detaillierte Informationen erforderlich sind. Deutsche Gerichte erwarten regelmäßig eine nachvollziehbare Aufstellung sämtlicher Einzahlungen, Einsätze, Bonusverrechnungen und Auszahlungen. Diese Daten liegen jedoch in der Regel ausschließlich beim Anbieter selbst. Die interne Spielhistorie enthält beispielsweise Angaben zu Datum und Uhrzeit einzelner Spiele, zur Höhe der Einsätze, zu Gewinnen oder Verlusten sowie zu internen Umbuchungen. Kontoauszüge allein spiegeln diese Vorgänge nicht vollständig wider.

„Wer lediglich die Bankbewegungen betrachtet, erkennt nur einen Teil der tatsächlichen Abläufe auf dem Spielerkonto“, erklärt der Mönchengladbacher Rechtsanwalt Dr. Gerrit W. Hartung von der Dr. Hartung Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Die Kanzlei ist auf Anleger- und Verbraucherschutz spezialisiert und setzt bundesweit Ansprüche von Geschädigten gegen Betreiber von Online-Casinos und Sportwettenplattformen durch. Seit vielen Jahren vertritt sie erfolgreich Verbraucher in Verfahren gegen Anbieter illegaler Online-Glücksspiele und bietet eine kostenlose Ersteinschätzung an.

Die Stufenklage ist ein prozessuales Instrument, das genau für solche Konstellationen geschaffen wurde. Sie erlaubt ein mehrstufiges Vorgehen: Zunächst wird der Anbieter auf Auskunft verklagt. Dabei muss er sämtliche relevanten Daten – insbesondere Transaktionslisten und Spielhistorien – offenlegen. In einer zweiten Stufe wird diese Auskunft gegebenenfalls ergänzt oder eidesstattlich versichert, um mögliche Lücken zu schließen. Erst danach folgt die dritte Stufe, in der die konkrete Rückzahlung des ermittelten Verlustes geltend gemacht wird.

„Mit der Stufenklage erzwingen wir zunächst die vollständige Offenlegung der Daten“, erläutert Dr. Hartung. „Auf dieser Grundlage lässt sich anschließend exakt berechnen, welcher Betrag tatsächlich zurückgefordert werden kann.“

Für viele Betroffene stellte bislang gerade diese erste Phase eine Hürde dar. Denn bevor überhaupt klar ist, wie hoch der Anspruch ausfällt, entstehen bereits Anwalts- und Gerichtskosten. Durch die Zusammenarbeit mit einem Prozessfinanzierer kann dieses Risiko jedoch deutlich reduziert werden. Der Finanzierer übernimmt die Kosten des Rechtsstreits, wenn die Erfolgsaussichten positiv bewertet werden und die Verluste in einen Zeitraum fallen, in dem das Glücksspielangebot in Deutschland nicht erlaubt war.

Das bedeutet: Auch Spieler, die keine finanziellen Rücklagen mehr haben, können ihre Ansprüche verfolgen und zunächst die Herausgabe ihrer Daten einklagen. „Wir möchten unseren Mandanten ermöglichen, ihre Rechte konsequent wahrzunehmen – unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation“, betont Dr. Hartung. „Gerade bei Verfahren gegen international tätige Glücksspielanbieter ist eine professionelle Finanzierung oft entscheidend.“

Besonders relevant ist dieses Vorgehen für Fälle aus der Zeit vor Juli 2021. In dieser Phase waren viele Online-Casino- und Sportwettenangebote in Deutschland ohne entsprechende Lizenz verfügbar. Gerichte haben in zahlreichen Entscheidungen festgestellt, dass die Annahme solcher Einsätze rechtswidrig war und Spieler ihre Verluste grundsätzlich zurückfordern können.

Ohne Zugriff auf die vollständige Spielhistorie bleibt jedoch häufig unklar, wie hoch der tatsächliche Verlust ist. Interne Buchungen, Bonusprogramme oder Verrechnungen können den Saldo erheblich beeinflussen. Durch eine Stufenklage wird diese Informationsasymmetrie aufgelöst: Anbieter müssen offenlegen, welche Umsätze tatsächlich über die Spielerkonten abgewickelt wurden.

Ein weiterer Vorteil dieses Vorgehens liegt darin, dass das Risiko einer zu früh eingereichten Zahlungsklage vermieden wird. Wer ohne genaue Zahlen sofort eine Rückzahlung fordert, riskiert, dass das Gericht die Klage wegen unzureichender Bezifferung abweist. Die Stufenklage folgt dagegen genau dem prozessual vorgesehenen Ablauf: Erst Auskunft, dann konkrete Bezifferung und schließlich die Zahlungsklage.

Für betroffene Spieler bedeutet dieses Verfahren mehr Rechtssicherheit und bessere Chancen auf eine erfolgreiche Durchsetzung ihrer Ansprüche. Gleichzeitig erhöht die Transparenz den Druck auf Anbieter, die ihre Geschäftsmodelle bislang häufig hinter komplexen Datenstrukturen verborgen haben.