Online-Sportwetten ohne deutsche Lizenz: Spieler können verlorene Einsätze zurückfordern

Spieler, die bei nicht lizenzierten Online-Sportwettenanbietern Geld verloren haben, können unter bestimmten Voraussetzungen ihre Einsätze zurückverlangen. Das zeigt ein aktuelles Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main, das einem Spieler die Rückzahlung von knapp 19.000 Euro zugesprochen hat. Nach Ansicht des Gerichts verstoßen Sportwettenangebote ohne deutsche Erlaubnis gegen den Glücksspielstaatsvertrag und führen zur Unwirksamkeit der entsprechenden Verträge.

Online-Sportwetten ohne deutsche Lizenz: Spieler können verlorene Einsätze zurückfordern

Im konkreten Fall sprach das Landgericht Frankfurt am Main einem Kläger 18.933 Euro zu, die er zwischen 2017 und 2020 auf der Plattform bet365 verloren hatte. Das Urteil vom 18. Juni 2025 verdeutlicht erneut, dass Anbieter ohne gültige deutsche Lizenz mit erheblichen Rückforderungsansprüchen rechnen müssen – auch dann, wenn sie sich auf eine europäische Konzession berufen. Der Kläger hatte über mehrere Jahre hinweg Einzahlungen auf sein Spielerkonto vorgenommen, ohne nennenswerte Auszahlungen zu erhalten. Während des streitigen Zeitraums betrieb bet365 sein Angebot über Gesellschaften mit Sitz in Gibraltar sowie später über eine maltesische Lizenz. Eine deutsche Genehmigung lag jedoch erst ab Oktober 2020 vor und damit erst nach den hier maßgeblichen Spielvorgängen. Das Gericht stellte daher fest, dass die abgeschlossenen Wettverträge gegen die Vorschriften des Glücksspielstaatsvertrags 2012 verstoßen und somit nichtig sind.

Das Gericht folgte außerdem der Argumentation des Klägers hinsichtlich einer unternehmensinternen Vertragsübernahme. Der operative Geschäftsbetrieb innerhalb der bet365-Gruppe war während des streitigen Zeitraums von der Hillside (Sports) LP mit Sitz in Gibraltar auf die Hillside (Sports) ENC in Malta übergegangen. Aus Sicht des Gerichts änderte dies jedoch nichts daran, dass der Anbieter weiterhin für die Rückzahlung der Einsätze verantwortlich blieb.

Ein weiterer Streitpunkt im Verfahren war die Frage, ob der Spieler von der fehlenden deutschen Lizenz wusste. Die Beklagte verwies auf eine Chatnachricht aus dem Jahr 2019, in der der Kläger angekündigt hatte, wegen „illegalem Glücksspiel“ einen Anwalt einzuschalten. Nach Auffassung des Gerichts ließ sich daraus jedoch keine sichere Kenntnis des Spielers ableiten. Der Kläger konnte plausibel erklären, dass es sich lediglich um eine spontane Äußerung im Rahmen einer Auseinandersetzung mit dem Kundenservice gehandelt habe.

„Die Entscheidung verdeutlicht, dass die Schutzmechanismen des Glücksspielstaatsvertrags ernst genommen werden müssen“, erklärt Dr. Gerrit W. Hartung, Geschäftsführer der Dr. Hartung Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, die den Kläger in dem Verfahren vertreten hat. „Betreiber, die ohne deutsche Genehmigung Sportwetten anbieten, tragen ein erhebliches wirtschaftliches Risiko. Für Spieler besteht dagegen eine realistische Chance, verlorene Einsätze zurückzufordern.“

Die Kanzlei Dr. Hartung Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (www.hartung-rechtsanwaelte.de) ist auf Verbraucher- und Anlegerschutz spezialisiert und setzt bundesweit Ansprüche geschädigter Verbraucher gegen Online-Casinos und Sportwettenanbieter durch.

Darüber hinaus stellte das Gericht klar, dass weder eine spätere behördliche Duldung noch europarechtliche Argumente geeignet sind, Rückforderungsansprüche auszuschließen, wenn das Angebot im maßgeblichen Zeitraum gegen zentrale gesetzliche Vorgaben verstoßen hat. Dazu zählen beispielsweise die im Glücksspielstaatsvertrag vorgesehenen Einsatzbegrenzungen. Auch weitere Einwendungen der Beklagten überzeugten das Gericht nicht.

So hatte der Anbieter unter anderem darauf verwiesen, dass er Sportwettensteuern abgeführt habe und dem Spieler durch sein Angebot einen Gegenwert in Form von Unterhaltung sowie Gewinnchancen geboten habe. Diese Argumentation ließ das Gericht nicht gelten. Die Zahlung von Steuern begründe keinen rechtlichen Anspruch darauf, verbotene Verträge aufrechtzuerhalten. Ebenso wenig stellen bloße Gewinnchancen oder Unterhaltung einen wirtschaftlich ausgleichbaren Wert dar.

Entscheidend sei vielmehr, dass die Einsätze ohne eine wirksame deutsche Lizenz angenommen wurden. Damit fehlte ein rechtlicher Grund für die erhaltenen Zahlungen. Dieses Prinzip dient dem Schutz der Verbraucher und soll zugleich sicherstellen, dass Anbieter die strengen Vorgaben des deutschen Glücksspielrechts einhalten.